Das älteste japanische Filmfestival Deutschlands feiert Geburtstag

25 Jahre Japan-Filmfest Hamburg

Sadao Nakajima (links) als Ehrengast des 9. Japan-Filmfest Hamburg 2008

2024 findet das Japan-Filmfest Hamburg zum 25. Mal statt. Ein besonderes Jubiläum, das gemeinsam mit zahlreichen aus Japan angereisten Gästen ausgiebig gefeiert werden will. Doch so ein Geburtstag bietet auch eine Gelegenheit zu einem kleinen nostalgischen Rückblick, denn von den bescheidenen Anfängen des JFFH 1999 bis hin zu seinem Status als etabliertes Kulturevent der Stadt Hamburg in der Gegenwart ist viel geschehen. 25 bewegende Jahre, die durch ihre kleinen und großen Geschichten, Begegnungen mit ganz besonderen Künstlern und Gästen sowie das abwechslungsreiche Filmprogramm in den Erinnerungen der Menschen lebendig bleiben. Aus diesem Anlass laden wir, der Verein Nihon Media e. V., euch mit dem Besuch der Fotoausstellung „25 Jahre Japan-Filmfest Hamburg“ dazu ein, euch auf eine kleine Zeitreise in die Geschichte des Festivals zu begeben. Die Ausstellung wird sich gleichmäßig auf unsere zwei diesjährigen Festivalkinos, das Metropolis und das Studio-Kino aufteilen.

 

Das älteste rein japanische Filmfestival Deutschlands

Ende der 1990er Jahre fand das im Aufbruch befindliche wilde Kino von Regisseuren wie Takashi Miike, Takeshi Kitano und Shunji Iwai in der öffentlichen Wahrnehmung kaum Beachtung. Nur wenigen Eingeweihten waren die Namen ein Begriff, doch das sollte sich dank einiger Kino-Enthusiasten aus Hamburg ändern. Als das JFFH im Jahr 1999 als erstes rein japanisches Filmfest im deutschsprachigen Raum gegründet wurde, konnte noch niemand ahnen, welche Entwicklung das Festival nehmen sollte. Zunächst als einmalige Filmreihe in Guerilla-Taktik geplant, wurde dank der überwältigend positiven Publikumsresonanz schnell mehr daraus. Der große Erfolg führte die Macher des Festivals aber auch schnell an organisatorische Grenzen. 2002 wurde deshalb der Verein Nihon Media e. V. als Organisationsplattform gegründet. Ein Wendepunkt in der Geschichte des Filmfests, der es ermöglichte, das JFFH deutlich professioneller aufzustellen. Der Verein setzte sich das ehrgeizige Ziel, über die Förderung des japanischen Kinos hinaus eine deutsch-japanische Begegnungsstätte zu schaffen und als kultureller Brückenbauer insbesondere zwischen den beiden Partnerstädten Hamburg und Ōsaka zu fungieren.

 

Shunji Iwai (ganz rechts) als Ehrengast des 1. Japan-Filmfest Hamburg 1999

Reiko Takashima (links) und Bruno Gans (rechts) als Ehrengäste des 8. Japan-Filmfest Hamburg 2007

Aller Anfang ist „schwer”: Das 3001 Kino als Keimzelle des Festivals 

Was wäre ein Filmfest ohne seine Spielstätten? Von Beginn an war es uns wichtig, ein vertrauensvolles Verhältnis zu unseren Partnerkinos aufzubauen, ohne die ein reibungsloser Festivalbetrieb nicht möglich wäre. Zunächst etablierte sich das kultige 3001 Kino im Schanzenviertel als Stammhaus des JFFH. Das stetige Anwachsen der Zuschauerzahlen machte es jedoch rasch notwendig zu expandieren. Über einige Jahre begleitete uns das charmante Hinterhofkino B-Movie auf St. Pauli, bevor wir mit dem Metropolis (Kinemathek Hamburg) einen weiteren verlässlichen Partner hinzugewannen. Zwischenzeitlich im Savoy Kino auf St. Georg beheimatet (2008–2011), ermöglichte das Metropolis uns in der Kleinen Theaterstraße weitaus größere Premierenfeiern. Einen unvergesslichen Festivalmoment bescherte uns 2007 der Eröffnungsabend des 8. JFFH im Streits-Kino am Jungfernstieg. Ein leider einmalig bleiben sollendes Intermezzo in dem legendären Hamburger Lichtspielhaus. 2014 komplettierte schließlich das traditionsreiche Studio-Kino in der Bernstorffstraße unsere Spielstätten. Doch die Zusammenarbeit mit den Kinos stellte das Festivalteam auch vor logistische Herausforderungen. So kam es des Öfteren vor, dass ein verspätet gelieferter Filmträger erst in aller letzter Minute und mit quietschenden Reifen in die Hände des Filmvorführers gelangte. Außerdem sahen wir uns in den Anfangsjahren mit einem durchaus „schwerwiegenden“ Problem konfrontiert. Wuchtige 35- und 16-mm-Filmrollen wurden per Luftpost nach Deutschland eingeflogen, so dass schnell mehrere hundert Kilo Filmmaterial zusammenkamen. Um Kosten zu sparen, wurden die Filme – Rückenschmerzen inklusive – von unseren Teammitgliedern per Privat-PKW an die Kinos verteilt. Dank moderner Trägermedien wie Blu-ray oder dem DCP-Format fällt dies heute deutlich leichter.

 

Kleine und große Begegnungen in 25 Jahren Japan-Filmfest Hamburg 

Über all die Jahre hinweg prägten die Begegnungen mit unseren japanischen Ehrengästen das Festival. Gleich zu Beginn begeisterte Shunji Iwai (Swallowtail Butterfly) als einer der bedeutendsten Vertreter des japanischen Kinos der 1990er uns mit seinem Besuch. Einen weiteren legendären Festivalmoment verdanken wir 2001 dem Auftritt von Martial-Arts-Künstler Tak Sakaguchi (Versus, Shinobi: Heart Under Blade, Re: Born), als er im 3001 Kino bei dem Versuch, mit dem Samuraischwert einen Apfel zu spalten, die Leinwand zerstörte. Weitere zum Glück weniger nervenzerfetzende Highlights folgten: Gerne denken wir etwa an Professor Yoneo Ota von der Ōsaka University of Arts (2004) oder an Nobuhiro Yamashita, den Regisseur des Eröffnungsfilms des 6. JFFH „Linda, Linda, Linda” zurück. Aber auch die Besuche von Regie-Veteran Sadao Nakajima (2009), Godzilla-Regisseur Kazuki Omori (2012), Filmemacher John Cairns (Schoolgirl Apocalypse) und Kurando Mitsutake (Gun Woman) bleiben in besonders positiver Erinnerung. Eines der eindrucksvollsten Augenblicke des Festivals war aber sicherlich 2007 die Premiere des FilmsOde an die Freudemit dem großartigen, leider viel zu früh verstorbenen Bruno Ganz und TV-Star Reiko Takashima als Ehrengäste. 

 

Kurando Mitsutake und Asami als Ehrengäste auf dem 15. JFFH 2014

Mehr als nur Kino

Von berührenden Ausstellungen, rasanten Stuntshows und fantastischen Kreaturen

Neben fantastischen Kinomomenten gab es aber auch das ein oder andere Ausnahmeevent, das uns sowohl vor organisatorische als auch emotionale Herausforderungen stellte. Im Gedächtnis haften bleibt etwa die berührende SonderausstellungTEGAMI – Perspektiven japanischer Künstler des Jahres 2011, die eine Antwort auf die Dreifachkatastrophe von Fukushima suchte. Aber auch der Besuch der sympathischen Samurai-Stunt-Gruppe Kengeki-kai 2013 unter ihrem Leiter Takeshi Irie und ihrem Samurai-Workshop samt einer öffentlichen Stunt- und Theatershow oder 2014 die aufwendig gestaltete Sonderausstellung des surrealistischen Ausnahmekünstlers und SFX-Spezialisten Screaming Mad George wussten uns zu begeistern. In jüngster Zeit beeindruckte der energetische Auftritt von Kultregisseur Yoshihiro Nishimura (Tokyo Gore Police, Helldriver, Kodoku: Meatball Machine) viele unserer Zuschauer. All diese besonderen Momente halfen uns dann auch in der größten Krise des Festivals unsere Motivation aufrecht zu erhallten. Mit den beiden Online-Festivals 2020 und 2021 konnten wir deshalb auch die dunklen Jahre der Corona-Pandemie überstehen. 

 

Einer der Ehrengäste (mitte) des 12. Japan-Filmfest Hamburg 2011

Das JFFH im Austausch mit japanischen Kulturträgern und Festivals

Seit der Gründung des Festivals begleitete uns der Wunsch, den direkten Austausch zwischen japanischen und deutschen Kulturschaffenden zu fördern. So wurde schon 2004 der Kontakt zur Hamburger Hochschule für bildende Künste und der Ōsaka University of Arts geknüpft. Nachwuchs-Regisseure aus Ōsaka sind seitdem regelmäßig zu Gast in Hamburg, um hier ihre aktuellen Werke erstmalig einem internationalen Publikum zu präsentieren. Daneben suchte das JFFH stetig nach weiteren Kooperationspartnern, darunter die Tokyo University of Arts, das Filmfest Skip City International D-Cinema (Kawaguchi City), seit 2017 das Jimbocho Filmfestival (Tokyo) und zuletzt das Tokyo Kanda Fantastic Film Festival sowie den Edo Culture Complex. Wichtige Verbindungen zur japanischen Filmszene, die es uns auch in Zukunft ermöglichen, spannende Kino-Produktionen exklusiv in Hamburg zu präsentieren. 

 

Eröffnungsabend des 9. Japan-Filmfest 2008 mit zahlreichen Ehrengästen

Gestern, heute, morgen

Die Zukunft des Festivals

Screaming Mad George (rechts) als Ehrengast des 15. Japan-Filmfest Hamburg 2014

Gestern, heute, morgen: Die Zukunft des Festivals

Eine junge Generation von Filmemachern macht sich heute einmal mehr in Tokyo, Kyoto und Ōsaka daran, das Kino neu zu erfinden. Und das JFFH bietet die großartige Gelegenheit, einen Blick in diese Herzkammer des japanischen Gegenwartsfilm zu werfen. Diese unerschrockenen Filmkünstler zu unterstützen ist uns ein großes Anliegen, weshalb das JFFH auch 2024 gleich mehrere Filmfestpreise zur Förderung des japanischen Kinos vergibt. Besonders begehrt ist unser Publikumspreis, der euch die Möglichkeit gibt, selbst Einfluss zu nehmen und mitzuentscheiden, welche Entwicklung im neuen japanischen Kino unsere besondere Unterstützung verdient.

Nach 25 aufregenden Festivaljahren lässt sich sicherlich mit etwas Stolz sagen, dass das traditionell im Mai oder Juni angesiedelte JFFH als fester Bestandteil des Hamburger Kulturkalenders nicht mehr wegzudenken ist. Zu diesem Erfolg trugen maßgeblich die zahlreichen ehrenamtlichen Mitglieder des Nihon Media e. V. bei, die sich mit unermüdlicher Energie den organisatorischen Herausforderungen eines Filmfests stellen und dem JFFH dadurch erst sein unverwechselbares Gesicht geben.

 

Nur ein großartiges Team ermöglicht ein großartiges Filmfest (Teamfoto des 18. JFFH 2017)

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